Die Frage, was überhaupt noch „normal“ ist, stellt sich zwangsläufig. Im Café eine kleine Pause einlegen, abends „auf a Hoibe“ Freunde treffen, mit Gleichgesinnten anderer Meinung am Stammtisch diskutieren, im Rathaus ein Anliegen persönlich vortragen und einfach vom Zuständigen Auskunft erhalten – viele Monate lang war das alles nicht mehr möglich, manches strikt verboten. Kein Wunder, dass sich die Seele da gekrümmt hat und „die Kultur“ jetzt eine Menge aufarbeiten muss. Denn wie es den Leuten geht, erfassen noch vor den Ärzten und Amtspersonen die Künstlerinnen und Künstler, die Kulturschaffenden aller Sparten. Sie haben auch in der Zeit des verordneten Daheimbleibens noch Wege gefunden, Geist und Seele mit Futter zu versorgen und die Mitmenschen vor dem „Stallgrant“ zu bewahren (der sich zu einer depressiven Störung auswachsen hätte können).
Welches „Ding“ sollen wir in der SchauRein! nun vorstellen, im Frühlings-Heft, das genau an der Schwelle zwischen Isolation und Öffnung erscheinen wird? Lieber das auch unter Quarantänebedingungen gesicherte Online-Projekt oder das optimistische, das „die Gaudi“ wieder zum Leben erweckt? Wir sind zuversichtlich und hoffen auf bessere Zeiten.

Martal Musi:

Einfach wieder gute Laune

„Mei, was hoaßt Kunst? Mia nehma s Musispuin scho ernst“, sagt Jakob Löw im Gespräch und hat damit genau beschrieben, was die neue Volksmusik ausmacht. Gut ausgebildete Musiker*innen mit jahrelanger Erfahrung in großen Musikkapellen, alle mit dem Talent zum Solisten, alle mit Bühnenpräsenz, alle mit dem musikantischen Gespür, wie man s dem Publikum recht macht und noch ein Schäuferl drauflegt, so dass die Stimmung richtig steigen kann. Aber dabei geerdet bleiben, nicht abheben, einfach dazugehören.
Was ist neu an dieser Volksmusik? Definieren heißt abgrenzen und Grenzen sind bei der Martal Musi, bei aller Offenheit, abgesteckt. Natürlich schöpft sie aus dem „klassischen“ Repertoire der Blechmusi, greift Märsche und Tänze auf, die jedes Publikum im Blut hat, auch wenn es weder Titel noch Komponisten nennen kann. Aber das Volksmusikarchiv ist nicht die einzige Quelle. Die Biermösl-Blasn ein Vorbild? Politisch eher nicht. La Brass Banda? Zu sehr Pop-Musik. Die Mischung macht’s, was Böhmisches darf gern drin sein.
Lernen kann man vom Musikstil der Erfolgreichen auch was. Und wenn der Gaudi-Pegel steigt, kann es bei der Ziach-Musi auch einmal Schlager und Austro-Pop sein.
Mit dem Proben für eine eigene Gruppe hat die Martal Musi 2017 begonnen. Da stand ein Altennachmittag an im Pfarrheim Kay, den der Opa von Jakob Löw ausrichtete. Da fiel auch die Entscheidung für die Bühnen-Musik, die gleichberechtigt mit der Wirtshausmusi sein sollte, aber für den Effekt mehr Einsatz verlangt. Volkstümliche Kommerzmusik sollte es aber keinesfalls werden. Die Besetzung orientierte sich an Vorbildern wie etwa der Tegernseer Tanzlmusi, der Schladl-Musi oder der WüdaraMusi aus Admont. Das Repertoire sollte bewirken, dass es die Leut auf die Tanzfläche zieht, dass man sich unterhalten lässt, aber auch noch unterhalten kann. D Leit miassn a Gaudi habn, bei jedem Anlass.
Nach einigen Änderungen am Anfang (man darf sich das Musikantendasein nicht zu leicht vorstellen, alle Martal-Leute sind auch in ihren örtlichen Blaskapellen engagiert, müssen ihre Proben zusätzlich zu den festen Terminen abhalten, und am Arbeitsplatz oder im Studium müssen sie obendrein erfolgreich sein) hat sich die ideale Besetzung der Martal Musi ergeben: Jakob Löw, dank kräftiger Stimme und Gesangsausbildung Sänger und Moderator der Gruppe, spielt die Tuba (deren Stimme die Ventilposaune übernimmt, wenn er singt), sein Bruder David Löw spielt das erste Flügelhorn, Katrin Baumgartner die Klarinette, Franz Reitschuh das zweite Flügelhorn, Julian Weber die Ventilposaune und den Rhythmus dürfen Bastian Thalbauer (Steirische Hamonika) und Florian Stitzl (Gitarre) vorgeben.
Neben der siebenköpfigen Vollbesetzung gibt es auch die vierköpfige „Martal Ziachmusi“, mit Jakob Löw (Tuba und Gesang), den Ziachspielern Bastian Thalbauer und Tobi Staudhammer und Florian Stitzl an der Gitarre. Sie sind nicht weniger erfolgreich als die große Gruppe, denn nicht jede zünftige Feier braucht gleich einen Saal mit Bühne als passenden Rahmen. Vor den großen Sälen müssen sich die Martal-Musikanten aber nicht fürchten: sie sind an ihren Aufgaben gewachsen und inzwischen auch mit der nötigen Technik für Licht und Ton ausgerüstet.
Wie misst man den Erfolg so einer Musikkapelle? In normalen Zeiten bewältigen die sieben Musikanten 30 Auftritte im Jahr, Hochzeiten, Jubiläen, Betriebs- und private Feiern. Bei großen Zusammenkünften, wie dem Echinger Brass-Wiesn-Fest, wo sich tausende Fans der neuen Volksmusik treffen, sind sie ebenso dabei wie auf dem Fridolfinger Dorffest. Und beim Internationalen Volksmusiktag in Aldersbach 2019 haben sie den Publikumspreis errungen. Ihr Loblied aufs „Hofei“, das Helle Bier vom Traunsteiner Hofbräu, ist ein Internet-Hit geworden, über den auch schon die Zeitung berichtet hat. Bei der Musikkapelle Inzing Törring sind sie unverändert aktiv: etliche Musikfeste, ein Gaufest. Momentan sieht es mit öffentlichen Engagements noch mau aus, aber die Hoffnung ist groß, dass im Sommer genug Leute geimpft sind, um wieder an Großveranstaltungen teilnehmen zu können.
Zur neuen Volksmusik gehört natürlich die Präsenz auf den „sozialen Medien“ und eine aktuelle Homepage:
www.martal-musi.de